Rituelle Körperhaltungen & Ekstatische Trance ©
nach Dr . F. D. Goodman

Allen Menschen eigen ist die Fähigkeit, die "heilige Wirklichkeit" in Trance, in Ekstase zu erleben und dabei wach und klar zu sein. Um die "Dinge hinter den Dingen" zu erahnen, die "wahre", oder "Anderswelt" jenseits unserer gewohnten Realität zu spüren, ist die uralte Technik des Trommelns oder Rasselns (mit 210 - 220 Schlägen pro Minute, hier in Verbindung mit spezifischen Körperhaltungen) ein Weg ein verändertes, erweitertes Wahrnehmen unseres Bewußtseins zu erfahren.

Dabei ist es möglich sehr gezielt in intensiven, innigen Kontakt mit den Pflanzen Freunden zu kommen, ihren und unseren Geist sich berühren lassend, und von ihrer Heilqualität für uns und andere Kenntnis erlangend.

Wer mehr zu Themen wie Trance, schamanische Heilrituale bzw. über die von Dr. Felicitas D. Goodman seit 1977 erforschten rituellen Körperhaltungen wissen möchte, lese F.D.Goodman: Wo die Geister auf den Winden reiten F.D.Goodman: Trance- der uralte Weg des religiösen Erlebens und das neueste Arbeitsbuch von Nana Nauwald, aus dem hier ein Beispiel für eine schöne Haltung abgebildet ist, die nach dem rituellen Rufen der Kräfte, der Bitte um Segen und Unterstützung zum Klang der Trommel eingenommen, in das große Lebensnetz führt. In dem wir, ganz wie Reisende, Visionen von altem und neuem Wissen erfahren.

Folgende Bilder und Texte aus: Nana Nauwald, Felicitas D. Goodman & Freunde:
Ekstatische Trance – Das Arbeitsbuch. © Binkey Kok Verlag 2004, Abdruck mit freundlicher Genehmigung.

www.ekstatische-trance.de
www.felicitas-goodman-Institut.de 
www.ritualbodypostures.com


Mohnfrau von Gazi, ca. 1350 v.d.Z., Kreta Ekstatische Trance Wendland

Körperhaltung
Stehend, Beine gerade, Füße parallel.
Die Arme werden seitlich des Oberkörpers so angewinkelt, dass zwischen dem  Oberarm  und dem Unterarm ein "V" entsteht. Die nach oben gerade ausgestreckten Handflächen weisen nach vorne. Die Finger der linken Hand liegen zusammen. Die Finger der rechten Hand sind auch geschlossen, jedoch der Daumen ist seitlich abgespreizt. Die Fingerspitzen befinden sich auf Ohrhöhe. Die Brust wird nach vorne gestreckt, der Rücken ist gerade. Der Kopf blickt geradeaus. Der Mund ist wie zum Pfeifen geformt.

Erfahrungsschwerpunkte
Kreislauf des Lebens - Saat und Ernte, "gepflückt und gegessen werden". Transformation von Materie in Geist. Erfahren der vier Elemente.

Hinweis
Die Figur trägt einen Stirnreif, in dem drei Mohnkapseln stecken. Stirnreif oder Stirnband können das Tranceerleben beeinflussen. Je nach Zusammenhang, in dem die Haltung erfahren werden soll, können auch andere Pflanzen, Heilkräuter etc. in das Stirnband als "Informationsantennen" gesteckt werden. Es ist möglich, dass sich ein "Pfeifton" während der Trance entfaltet.

Johanna Herzog Ekstatische Trance

Die Bärenhaltung

Diese Haltung wurde in fast allen Kulturen gefunden,
die älteste Darstellung ist ca. 8000 Jahre alt.


Hintergrund der Haltung

Felicitas Goodman hat diese Haltung nach einer Holzschnitzerei der Kwakiutl (Nordwestküste Kanada) "Haltung des Bärengeistes" genannt. Diese Holzfigur zeigt einen klein dargestellten Menschen, hinter dem ein riesiger Bär hockt, der den Menschen schützend zwischen seinen Beinen und Unterarmen hält.

In vielen anderen Kulturen wurde diese Haltung gefunden, ohne die Darstellung eines Bären. Auch aus Kulturen, in denen es keine Bären gab, kennen wir diese Haltung. Die Haltungen aus diesen Kulturen zeigen in der Trance ein ähnlich starkes Heilerleben wie wir es bei den Körperhaltungen kennen, deren Originalabbildungen aus einer "Bärenkultur" stammen.

Der Bär ist eines dieser Tierwesen, deren besonderes Verhältnis zu den Menschen eine Spur hinterlassen hat, die uns weit zurückführt in das geistige Feld unserer europäischen Schamanen-AhnInnen: Groß, stark und klug als Tier und als Lehrer und Helfer in sichtbaren und nicht-sichtbaren Welten, ist er über Jahrtausende hindurch SchamanInnen in Europa, Zentralasien und Nordamerika ein brüderlich/schwesterlicher Verbündeter und Mittler zwischen den Welten.

In Anatolien wurden 10.000 Jahre alte Abbildungen von Bären gefunden, aus Mesopotamien sind ca. 6.000 Jahre alte kleine Statuetten in Bärengestalt bekannt. Artemis erscheint in der Tradition der "Großen Göttin" des neolithischen Süd-Ost-Europas als Nährmutter in Bärengestalt.

Der Bär wurde in der Frühzeit der Menschen als der der Gefährte der Großen Mutter angesehen, denn wie sonst wäre es möglich gewesen, dass sie ihn so bereitwillig in ihrem Schoß aufnahm! Als ihr Gefährte war er ein Mittler zwischen den Welten, denn er bewegte sich in der unteren Welt ebenso wie in der Mittelwelt - und jagte sogar als Sternenkonstellation über das Himmelsgewölbe! Geht er nicht träge und vollgefressen mit den Früchten der Erde im späten Herbst zu ihr in die Erde, und schläft an ihrer Seite den langen Winter hindurch? Schenkt ihm die Erdmutter nicht in der Mitte des Winters in der Dunkelheit der Höhle Bärenkinder, und kommt nicht der Bär im beginnenden Frühling verjüngt und vermehrt wieder an das Sonnenlicht?

Es bedarf nur der genauen Beobachtung, keiner Religionen oder Philosophien, um in diesem "Bären-Vorgang" den Kreislauf alles Werdens, Wandelns und Vergehens zu erkennen, dessen Anfangs- und Endpunkt die Große Mutter ist. Und es bedarf auch nur eines wachen Beobachterauges um zu verstehen, warum in dem Gefährtender Erdmutter überall dort, wo der Bär zu Hause ist, in ihm von alter Zeit her mehr als nur ein Tier gesehen wurde. Das ist besonders in den nördlichen Gebieten unserer Erde so, in denen der Bär oft als Stammvater oder Stammmutter der Menschen angesehen wird. Großväterchen, Honigtatze, Honigesser, Mutter, Pelzgreis, Kluger Vater, der kluge Alte, Mächtiger Herr - das sind nur einige der Namen, mit denen der Bär bei sibirischen und nordischen Völkern genannt wird. Den eigentlichen Name des Bären in seiner Bedeutung als "Herr der Tiere", "Herr des Waldes und der Berge", "Kosmischer Sonnenjäger" auszusprechen war in den alten Jägergemeinschaften ein Tabu. Zu groß war die Ehrfurcht vor der allgegenwärtigen und alle Welten durchdringenden Macht des Gefährten der Großen Mutter, dem Himmel bewohnenden Jäger der Sonne, dem "großen Bären". Nicht nur Völker Sibiriens und Nordamerikas sehen in ihm ihren Ahnen, auch die nordeuropäischen Goten und Dänen legten Wert darauf, Nachkommen eines Bärenahnen zu sein.

Vielleicht war für sie der Bär eine Erscheinung des rothaarigen Gottes Thor? Das englisch Wort "forebears" - Vorväter - trägt den Bären in seiner Bedeutung als Ahne noch in sich, so wie auch das Wort für Bär - bear - das gleiche ist wie für Gebären: "to bear".

Auf die Zusammenhänge zwischen Bär und "bären" in der Bedeutung von: Frucht tragen, zeugen, gebären weisen auch die Brüder Grimm in ihrem Deutschen Wörterbuch hin.

(Auszug aus: Nana Nauwald, Bärenkraft und Jaguar, 2002, mit freundlicher Genehmigung des AT-Verlags)



Körperhaltung

  • Stehend, die Füße parallel, ca. 15cm auseinander.
  • Die Knie leicht gebeugt.
  • Die Oberarme liegen locker am Oberkörper.
  • Die Hände werden zu einer Faust geformt, so, als würde die Faust ein kleines Ei umfassen.
  • Die Daumen liegen auf der Faust, nebeneinander.
  • Die Fäuste liegen so über dem Bauchnabel, dass sich nur die Knöchel der Zeigefinger berühren und so die Spitze eines nach unten geöffneten Dreiecks bilden.
  • Der Bauchnabel liegt in diesem offenen Dreieck.  Die Fäuste fest an den Körper drücken.
  • Der Kopf wird in den Nacken gelegt, so weit wie es leicht möglich ist.
  • Der Mund ist leicht geöffnet.  Der Rücken ist gerade.


Erfahrungsschwerpunkte

  • Starke Energetisierung.
  • Starke Aktivierung von Heilprozessen.
  • Erneuerung, Initiation,
  • Schutz, Geborgenheit, Vertrauen in das Leben. Bären.


Bär der Olmeken Trance Ekstatische WendlandHinweis
Diese Haltung eignet sich besonders gut für die Aktivierung von Heilprozessen und für erste Erfahrungen mit den Rituellen Körperhaltungen.

Die Haltung kann auch auf den Fersen kniend, auf einem Stuhl sitzend oder auf dem Boden liegend durchgeführt werden. Beim Liegen müssen Kissen so unter die Knie geschoben werden, dass die Beine auch im Liegen gekrümmt sind. Eine gerollte Decke/ Tuch unter den Nacken gelegt hilft, den Kopf etwas nach hinten fallen zu lassen. Ein Kissen unter den Ellbogen verhindert das Wegrutschen der Arme.

 

Felicitas D. Goodman Ekstatische Trance Haltungen
Felicitas D. Goodman, 1914 ~ 2oo5


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